Frühneuzeitliche Heterodoxie


Fried­rich Breck­lings »Wahr­heits­zeu­gen«: Edi­ti­on – Hand­buch – Netzwerkanalyse

Der luthe­ri­sche Pre­di­ger und gelehr­te Dis­si­dent Fried­rich Breck­ling (1629–1711) ist eine der zen­tra­len Figu­ren des Böh­mis­mus und des non­kon­for­men Luther­tums in der zwei­ten Hälf­te des 17. Jahr­hun­derts. Als ›Archi­var‹ oder ›Topo­graph‹ der Hete­ro­do­xie ver­such­te er das monu­men­ta­le Pro­jekt eines Cata­lo­gus tes­ti­um veri­ta­tis (1556) von Mat­thi­as Fla­ci­us (1520–1575) bis in sei­ne eige­ne Zeit fort­zu­set­zen. In ver­öf­fent­lich­ten Schrif­ten sowie in Hun­der­ten von unver­öf­fent­lich­ten Regis­tern und Lis­ten, die heu­te Teil der For­schungs­bi­blio­thek Gotha sind, hat er sei­ne ›unsicht­ba­re Kir­che‹ beschrie­ben. Die meis­ten sei­ner sog. ›Wahr­heits­zeu­gen‹ (tes­tes veri­ta­tis) erdul­de­ten reli­giö­se Ver­fol­gung. Breck­ling selbst hielt sich seit 1660 in Zwol­le (Nie­der­lan­de) im Exil auf. Spä­ter arbei­te­te er als Kor­rek­tor für Ver­la­ge in Ams­ter­dam. Ab 1690 betrieb er eine inof­fi­zi­el­le Biblio­thek für spi­ri­tua­lis­ti­sche Schrif­ten in Den Haag. In die­ser Lebens­pha­se teil­te er sein Wis­sen mit Hun­der­ten von Besu­chern, die ihn – oft­mals auf Rei­sen zwi­schen Eng­land und dem Reich – aufsuchten.

In dem am Gotha­er For­schungs­zen­trum der Uni­ver­si­tät Erfurt erar­bei­te­ten Hand­buch wer­den eini­ge der wich­tigs­ten Quel­len ver­öf­fent­licht, um das Netz­werk von Breck­ling zu ana­ly­sie­ren, das star­ke Über­schnei­dun­gen mit den Netz­wer­ken der sog. ›zwei­ten Wel­le‹ des Pie­tis­mus auf­weist. Dabei zeigt sich auch, wie frü­he­re Freun­de und tes­tes veri­ta­tis, die ein gemein­sa­mes Inter­es­se am Böh­mis­mus mit Breck­ling teil­ten, seit den 1690er Jah­ren von ihm wie­der als Ket­zer aus­ge­schlos­sen wurden.

Publi­ka­tio­nen zum Thema:

Fried­rich Breck­lings »Wahr­heits­zeu­gen«. Edi­ti­on – Hand­buch – Netz­werk­ana­ly­se. Hg. von Gui­do Naschert. Stutt­gart: Stei­ner 2021 (Frie­den­stein-For­schun­gen). (390 S., Kar­ten u. Abb.) (in Vorb.)

Fried­rich Breck­ling. In: Frü­he Neu­zeit in Deutsch­land 1620–1720. Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­li­ches Ver­fas­ser­le­xi­kon (VL 17). Hg. von Ste­fa­nie Arend, Bern­hard Jahn [u. a.]. Ber­lin: De Gruy­ter 2019, Bd. 1, Sp. 800–819.

Zur Ret­tung derer biß­her unter dem Nah­men des Vnkrauts unschul­dig ver­fol­ge­ten Kin­der Got­tes‹: Fried­rich Breck­lings Ret­tun­gen von ›Wahr­heits­zeu­gen‹ im Kon­text von Tole­ranz­dis­kurs und Ket­zer­ge­schich­te. In: Ver­tei­di­gung als Angriff. Apo­lo­gie und ›Vin­di­ca­tio‹ als Mög­lich­kei­ten der Posi­tio­nie­rung im gelehr­ten Dis­kurs (Frü­he Neu­zeit. Stu­di­en und Doku­men­te zur deut­schen Lite­ra­tur und Kul­tur im euro­päi­schen Kon­text, 197). Hg. von Micha­el Mult­ham­mer. Ber­lin, Bos­ton : De Gruy­ter 2015, S. 95 – 120.

Knorr von Rosen­roth als ›Wahr­heits­zeu­ge‹ Fried­rich Breck­lings. In: Mor­gen-Glantz. Zeit­schrift der Chris­ti­an Knorr von Rosen­roth-Gesell­schaft 23 (2013), S. 131–152.

Fried­rich Breck­ling (1629–1711). Pre­di­ger, ›Wahr­heits­zeu­ge‹ und Ver­mitt­ler des Pie­tis­mus im nie­der­län­di­schen Exil. Eine Aus­stel­lung zu sei­nem 300. Todes­tag. Hg. von Bri­git­te Klos­ter­berg und Gui­do Naschert. Bear­bei­tet von Mir­jam-Julia­ne Pohl. Hal­le: Ver­lag der Francke­schen Stif­tun­gen 2011:
-: Breck­ling als Netz­wer­ker des pro­tes­tan­ti­schen Non­kon­for­mis­mus [mit zwei Kar­ten], S. 3–17.
-: Ver­zeich­nis der Expo­na­te. Teil I: Leben und Werk Fried­rich Breck­lings, S. 71–102.