Unterwegs in Kolumbien. Eine Lesung mit Alexandra Endres

»Das Gedächt­nis des Her­zens löscht die bösen Erin­ne­run­gen und spei­chert die guten, und dank die­ser Gabe sind wir dazu in der Lage, die Ver­gan­gen­heit hin­ter uns zu lassen.«
Gabri­el Gar­cía Márquez

Don­ners­tag, 30. Novem­ber, 19:30 Uhr
Stadt­bü­che­rei / Gewölbekeller
Steu­ben­stra­ße 1
99423 Weimar

Mode­ra­ti­on: Gui­do Naschert

Wer an Kolum­bi­en denkt, denkt an Dro­gen und Krieg. Aber Kolum­bi­en ist viel­fäl­tig; land­schaft­lich mit sei­nem Regen­wald, den Wüs­ten, schrof­fen Ber­gen, grü­nen Hügeln und frucht­ba­ren Tälern; kul­tu­rell geprägt von afri­ka­ni­schen, india­ni­schen und euro­päi­schen Ein­flüs­sen. Von der Kari­bik­küs­te über die Anden bis an den Pazi­fik – auf ihrer gro­ßen Kolum­bi­en­rei­se ist die Repor­te­rin Alex­an­dra End­res den Spu­ren der Men­schen von Car­ta­ge­na bis in den Dschun­gel des Chocó und immer wie­der dem Schrift­stel­ler Gabri­el Gar­cía Már­quez gefolgt: »Ich möch­te in mei­nem Buch das Land selbst zu Wort kom­men las­sen: aus mög­lichst unter­schied­li­cher Per­spek­ti­ve. Es geht dar­um, die Lebens­freu­de und Wider­stands­kraft der Kolum­bia­ner zu zei­gen, die sie aus ganz unter­schied­li­chen Quel­len schöp­fen, etwa ihrem Glau­ben, ihrer Musik, ihrer Iden­ti­tät und ihren Tra­di­tio­nen – oder dem unbe­ding­ten Wunsch, die­ses Land für ihre Kin­der zu einem bes­se­ren Land zu machen.«

Alex­an­dra End­res beschreibt, wie Men­schen Gewalt und schnell ver­dien­tem Geld wider­ste­hen, mit wel­chen Lebens­for­men, wel­chem Enga­ge­ment sie Frie­den schaf­fen, für ein bes­se­res Leben kämp­fen: In Car­ta­ge­na trifft sie auf Rafa, den Trom­mel­leh­rer, der Kin­dern und Jugend­li­chen eine Per­spek­ti­ve gibt, sie das Nach­den­ken über ihr Leben lehrt; End­res berich­tet von den Can­ta­oras, den sin­gend erzäh­len­den Frau­en, deren Lie­der den Men­schen hel­fen, nicht ver­rückt zu wer­den; sie erzählt von Álva­ro, der mit sei­ner Tanz­schu­le gegen die Kluft zwi­schen arm und reich mit Tanz arbeitet.

Auf ihren Rei­sen nähert sich Alex­an­dra End­res den indi­ge­nen Völ­kern, die in den Berg­re­gio­nen der Sier­ra Neva­da leben und mit ihrem Glau­ben, ihren Riten, ihrer Lebens­wei­se alles tun, um die Welt – und ihr Land – ins Gleich­ge­wicht zu brin­gen. Denn: Der Jahr­zehn­te andau­ern­de inne­re Kon­flikt hat Mil­lio­nen Kolum­bia­ner im eige­nen Land zu Ver­trie­be­nen wer­den las­sen. Hun­dert­tau­sen­de star­ben im Kampf, wur­den ent­führt, gefol­tert oder ver­ge­wal­tigt, ver­schwan­den spur­los. End­res begeg­net Men­schen, oft Frau­en, die wäh­rend des Bür­ger­krie­ges oder zwi­schen den Fron­ten der Dro­gen­ma­fia unvor­stell­ba­re Gewalt erlit­ten haben, denen es aber gelang, ihre Ver­let­zun­gen zu über­win­den, um für ein fried­li­che­res, bes­se­res Kolum­bi­en zu kämp­fen. In Bogo­tá begeg­net die Autorin Pad­re Dar­ío, einem Cla­re­ti­ner-Mönch, der dort­hin geht, wo man ihn am meis­ten braucht; in Medel­lin spürt sie den Wan­del auf, den die Stadt, in der alle gegen alle kämpf­ten – Para­mi­li­tärs gegen Gue­ril­la, Gue­ril­la gegen Mili­tär, Mili­tär und Poli­zei gegen das Medel­lin-Kar­tell, das sich wie­der­um gegen die Pepes wehr­te – vollzieht.

Auch wenn es im Chocó, einer Regi­on an der Pazi­fik­küs­te, den Gold­berg­bau wei­ter geben wird und die Dro­gen­ba­ro­ne in der unzu­gäng­li­chen Dschun­gel­re­gi­on des Putu­ma­yo, dort, wo der Staat nicht prä­sent ist, wei­ter­hin ihr Unwe­sen trei­ben, gibt es eben­so wei­ter­hin das Enga­ge­ment der Frau­en, die Bau­ern davon über­zeu­gen, die Umwelt zu schüt­zen und ande­re, die für Gerech­tig­keit und Ver­söh­nung kämp­fen. Uner­schüt­ter­lich in ihrem Glau­ben an sozia­le Gerech­tig­keit und der Mög­lich­keit eines Frie­dens für das Land. Das macht Kolum­bi­en aus, die Hoff­nung, der Glau­be, die Viel­falt des Enga­ge­ments der Men­schen für ihr Land.

ALEXANDRA ENDRES ist Jour­na­lis­tin und Volks­wir­tin. Sie arbei­te­te als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin am wirt­schafts­geo­gra­phi­schen Insti­tut der Uni­ver­si­tät Köln, bevor sie als Redak­teu­rin zu FAZ.net wech­sel­te. Seit 2006 ist sie Wirt­schafts­re­dak­teu­rin bei ZEIT ONLINE, immer wie­der unter­bro­chen von Rei­sen nach Latein­ame­ri­ka. 2014 arbei­te­te sie als Gast­re­dak­teu­rin bei der kolum­bia­ni­schen Tages­zei­tung EL TIEMPO in Bogota.

Aktu­el­le Rei­se­re­por­ta­gen und Beob­ach­tun­gen fin­den sich im Blog Lati­na­rio – Latein­ame­ri­ka­ni­sche Noti­zen: http://www.latinario.de/

Mehr Infor­ma­tio­nen über die Autorin: http://www.alexandraendres.de/

Alex­an­dra Endres:
Wer singt, erzählt – Wer tanzt, überlebt
DuMont Reiseverlag
256 Seiten
Preis: € 14,99 (D) / 16,50 (A) / 19,90 (CH)
ISBN: 978–3‑7701–8284‑8