Radikaler Kantianismus

Seit mein­er Zeit am Gothaer Forschungszen­trum der Uni­ver­sität Erfurt erforsche ich das Ver­hält­nis zwis­chen den Ideen der radikalen Aufk­lärung und des frühen Kan­tian­is­mus. Dabei blicke ich vor allem auf eine Gruppe deutsch­er Philosophen der 1790er Jahre, zu der u. a. Friedrich Carl For­berg, Johann Ben­jamin Erhard, Johann Bap­tist Schad, Schack Her­mann Ewald, Immanuel Carl Diez, Felix Anton Blau, Anton Dorsch und Wil­helm Dietler gehören.

Diese überse­hene und ver­nach­läs­sigte »Kon­stel­la­tion« protes­tantis­ch­er sowie katholis­ch­er Kan­tian­er lieferte nicht nur wichtige Beiträge zu zeit­genös­sis­chen Debat­ten oder brachte diese sog­ar ins Rollen. Sie hat auch andere Grup­pen und Bewe­gun­gen wie z. B. die deutsche Frühro­man­tik oder den deutschen Lib­er­al­is­mus des 19. Jahrhun­derts direkt oder indi­rekt her­aus­ge­fordert. Mit dem radikalen Kan­tian­is­mus verbindet sich das Ver­sprechen ein­er »ver­nun­ftkri­tis­chen« Radikalaufk­lärung, die prob­lema­tis­che Voraus­set­zun­gen ein­er dog­ma­tis­chen Meta­physik älteren Typs hin­ter sich lässt. Gle­ichzeit­ig jedoch sind die Denker dieser Kon­stel­la­tion auch an diesem Selb­stanspruch zu messen.


Pub­lika­tio­nen zum The­ma

Friedrich Carl For­berg : Philosophis­che Schriften, hg. von Gui­do Naschert, 2 Bde. (Pader­born : Schön­ingh) (776 + 379 S., Ill). (in Vorb. für Ende 2018)

Johann Ben­jamin Erhard : Ueber die Möglichkeit und den Werth des Friedens in der Reli­gion (1797). Kom­men­tierte Edi­tion (Manuskript, 15 S.). (in Vorb. für 2019)

»Sex­u­alethis­ch­er Skep­tizis­mus um 1800. Friedrich Carl For­bergs Edi­tion von Anto­nio Bec­ca­del­lis Her­maph­ro­di­tus (1824) im Kon­text«, Pornogra­phie der deutschen Aufk­lärung, hg. von Dirk Sang­meis­ter und Mar­tin Mul­sow (Göt­tin­gen : Wall­stein, 2018). (in Vorb.)

»Rein­hold und die Kant-Rezep­tion im Kla­gen­furter Her­bert-Kreis«, Umwege. Annäherun­gen an Immanuel Kant in Wien, in Öster­re­ich und in Osteu­ropa, hg. von Vio­let­ta Waibel (Göt­tin­gen : Vien­na Uni­ver­si­ty Press/V&R uni­press, 2015), 217 – 222.

»Karl Leon­hard Rein­holds Weimar­er Jahre, 1784 – 1787«, Umwege, hg. von Vio­let­ta Waibel, 181 – 184.

»›Mit mir machst Du, o Rom, kein Glück‹: Johann Bap­tist Schads Kloster­ro­mane und ihre Reli­gion­sphiloso­phie. Appen­dix : Copia der Ver­they­di­gungss­chrift des Doc­tors Schad gegen eine von Her­rn Abt zu Banz bey Serenis­si­mo Weimarien­si wider ihn ange­bracht­en Klage,« Sub­ver­sive Lit­er­atur. Erfurter Autoren und Ver­lage im Zeital­ter der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion (1780 – 1806), hg. von Dirk Sang­meis­ter und Mar­tin Mul­sow (Göt­tin­gen : Wall­stein, 2014), 395 – 434.

»Net­zw­erk­bil­dung und Ideen­zirku­la­tion : Johann Ben­jamin Erhards Reisen durch das Europa der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion [mit zwei Karten],« Krim­inelle – Frei­denker – Alchemis­ten. Räume des Unter­grunds in der Frühen Neuzeit, hg. von Mar­tin Mul­sow (Wien, Köln, Weimar : Böh­lau, 2014), 503 – 553.

Radikale Spä­taufk­lärung in Deutsch­land. Einzelschick­sale – Kon­stel­la­tio­nen – Net­zw­erke, hg. von Mar­tin Mul­sow und Gui­do Naschert (Ham­burg : Mein­er, 2012).

»Immanuel Carl Diez« ;»Friedrich Carl For­berg,« Biographisch-Bib­li­ographis­ches Kirchen­lexikon 32 (2011), 229 – 232 ; 464 – 473.

»Ficht­es Jenaer Ver­leger : Friedrich Karl For­bergs Kom­pag­nie mit Chris­t­ian Ernst Gabler und das schwierige Geschäft mit der Rev­o­lu­tion. Appen­dix : Chris­t­ian Ernst Gabler : Ver­lagsti­tel von Michaelis 1793 bis Ostern 1796,« Geheim­lit­er­atur und Gehe­im­buch­han­del in Europa im 18. Jahrhun­dert (Wolfen­büt­tel­er Schriften zur Geschichte des Buch­we­sens, 26), hg. von Chris­tine Haug, Franziska May­er und Win­fried Schröder (Wies­baden : Har­ras­sowitz, 2011), 327 – 355.